Der Beginn des Sports in Finkenbach
von Arthur Buchert

Vor dem ersten Weltkrieg und kurz danach gab es in Finkenbach wenig sportliche Aktivitäten. Woher kam das? Zu dieser Zeit waren in unserem Ort die Mehrheit der Bürger sehr arm. Die meisten hatten zu damit zu kämpfen die Familie zu ernähren. Viele mußten morgens um 4.00 Uhr zu Fuß zur Arbeit gehen, um pünktlich bei Arbeitsbeginn um 6.00 Uhr auf der Arbeitsstelle zu sein. Dort mußte darüber hinaus noch schwere kör-perliche Arbeit geleistet werden. Abends um 18.00 Uhr ging es natürlich wieder auf dem gleichen Weg zurück. Zwölf Stunden Arbeit und vier Stunden Fußweg dazu abends zu Hause noch etwas Arbeit, da stand keinem der Sinn danach Sport zu treiben. Mancher junge Mann arbeitete als Knecht auf einem Bauernhof und hatte dort einen langen Arbeitstag. Darüber hinaus mußte ein junger Mann, bevor er heiraten konnte, zuerst drei Jahre Wehrdienst ableisten. Dies war ein Erlaß des Großherzogs und mußte von allen jungen Männern erfüllt werden. In Finkenbach gab es damals den schon seit längerer Zeit bestehenden Kriegerverein, sowie den 1909 gegründeten Männergesang-verein. Nach dem ersten Weltkrieg, zu Beginn der zwanziger Jahre kam in Finkenbach auch langsam Interesse auf Sport zu treiben. Wer brachte den Sport nach Finkenbach? Es mußten auch damals sportliche Persönlichkeiten und Vorbilder sein, die die Jugend zum Sport führen konnte. Freizeit für den Sport, dazu noch Gelder aus eigener Tasche aufzubringen, war damals doch ein großes Opfer. Der Fabrikant Bernhart Labriola, der eine Kammfabrik in Gammelsbach gegründet hatte, kaufte 1918 die damals stillgelegte Tuchfabrik am Dorfende von Finkenbach und gründete auch dort eine Kammfabrik. Auch die sogenannte Johannsmühle, in deren Gebäude das Gast-haus "Zum Odenwald" war, ging in seinen Besitz über. Bernhard Labriola war zu seinem sportlichen Höhepunkt Weltrekordler im Gewichtheben und nur durch Krankheit konnte er nicht bei der Olympiade 1908 in London teilnehmen. Aber durch ihn als Vorbild, gründeten 1922 Wilhelm Hotz sen., Fritz Rodenhäuser und Jakob Seip (Schwager von Philip Kredel jun.) einen Athletenclub. In diesem Verein lagen die sportlichen Schwerpunkte beim Ringen, Stemmen, Seilziehen und Kugelstoßen. 1925, -26, -27 hatte man eine gute aktive Riege beisammen. Zu den aktiven Sportlern gehörte damals: Wilhelm Hotz sen., Fritz Rodenhäuser, Fritz Gruber, Jakob Hotz, Hans Jung, Hugo Groh, Philip Hotz, Karl Siefert (Mais-Karl), Jakob Ihrig, Philip Uhrig, Wilhelm Fischer. Die sportlichen Veran-staltungen konnten nur von Frühjahr bis Anfang Herbst auf einem Wiesengelände durch-geführt werden, da man keine Räum-lichkeiten zur Verfügung hatte. Trainiert wurde bei schlechtem Wetter in den Scheunetennen. Als Festplatz diente damals das Wiesenge-lände von Georg Friedrich (Posthalter) am heutigen Feuerwehrhaus. Ein guter Athlet war damals Wilhelm Hotz sen., der bei Wettkämpfen im Stemmen meistens vordere Plätze erreichte Auch der Kegelsport hielt um diese Zeit seinen Einzug in Finkenbach und zwar beim Gasthaus "Zum goldenen Löwen". Im Garten, dem heutigen Biergarten längs der Straße stand die Kegelbahn. Die Grundmauer ist heute noch vorhanden. Asphaltbahnen kannte man zu dieser Zeit noch nicht. Die Bahn war mit breiten Holz-dielen ausgelegt und die Kegel mußten mit der Hand aufgestellt werden. Mit den Regeln nahm man es damals nicht so genau, denn beim Abräumen durfte schon einmal die Bande zu Hilfe genommen werden. Auch dieser Sport hatte seine Anhänger. Der 1926 gegründete Schützenverein ging aus dem ehemaligen Kriegerverein hervor. Er baute sich einen Schießstand bei dreiviertelster Höhe des Wetterbergs in einem Eichenwald, heute Fichten-wald im Gelände des Grafen Erbach-Fürstenau. Ein Teil der eingeebneten Fläche kann man noch heute sehen. Die dort aufgebaute Schießhütte ist allerdings mit den Jahren zerfallen. Bei dem Schützenverein wirkten mit: Förster Lehr, Förster Weyrauch, Philip Kredel sen., Adam Merger sen., Jakob Schwinn jun., Georg Friedrich (Posthalter) Johann und Karl Ihrig, Georg und Jakob Hotz, Wilhelm Hofmann, Wilhelm Edelmann, Wilhelm Krämer, Wilhelm Lenz (Förster) Jakob Wagner, Adam Trumpfeller u.w. Aber es soll auch nicht der Bau des Schwimmbades vergessen sein. Die treibenden Kräfte für den Bau eines Schwimmbades in Finkenbach waren Georg Löffler (Bruder von Wilhelm Löffler), August (Gustl) Siefert, Lehrer Hans Reutter (Vater von Dr. Rolf Reutter aus Darmstadt). Der erste Spatenstich dafür wurde am 20.10.1933 gemacht. Auch den vielen Mitbürgern, die damals ihre Freizeit geopfert haben um etwas auf die Beine zu stellen soll in Zukunft Anerkennung und das Wort Dankeschön erhalten bleiben. Denn in dieser Zeit wurde etwas geschaffen was von großer Bedeutung war, für die Jugend unseres Dorfes, dem Sport und der Gesundheit. Schon Anfang der Vierziger Jahre gab es in Finkenbach gute Schwimmsportler, wie zum Beispiel: Hermann lhrig (Bruder von Heinrich Ihrig, Löwenwirt) und Ernst Walz. Nun war auch die Zeit gekommen, daß die Jugend unseres Dorfes Tuchfühlung zum Fußballsport nahm, denn in der Hitlerjugend wurde manchmal Fußball gespielt. Auch hatten in den dreißiger Jahren Fußballsportler in Finkenbach eingeheiratet, wie zum Beispiel Hans Jung und Fritz Pilger. Hans Jung hatte zuerst in seiner Heimat - u. Geburtsstadt Friedrichsfeld Fußball gespielt. Nach seiner Einheiratung in Finkenbach spielte er eine gewisse Zeit beim FC Odin-Unterschönmattenwag, deren damaliges Spielfeld sich oben auf der Höhe neben dem Schönmattenwager Kreuz befand. Fritz Pilger spielte vor seiner Ein-heiratung, in der Kreisstadt Erbach Fußball. Für den Fußballsport in Finkenbach kamen beide aber erst nach dem zweiten Weltkrieg so richtig zur Geltung. In der näheren Um-gebung gab es in den dreißiger Jahren schon mehrere Fußballmannschaften: Beerfelden, Erbach, Michelstadt, Ostern, Unter-Schönmattenwag, Affolterbach, Wald-Michelbach und Hirschhorn. In Finkenbach kam es damals zu keiner Vereinsmannschaft, da durch Ausbruch des zweiten Weltkrieges der gesamte Sport und das damit verbundene Vereinsgeschehen in unserem Ort eingestellt wurde.
Fortsetzung: "Gründungszeit des FC Finkenbachtal"


Die Geschichte des FC Finkenbachtal 1946 e.V.